Millionenschwerer Streit um angeblichen Pay-TV-Hack

Verfasst von XerraX am 25 April, 2008 - 12:15
JustiziaDer Satelliten-TV-Anbieter Dish Networks wirft dem Medienkonzern News Corp. vor, Hacker mit Angriffen auf sein Netzwerk beauftragt zu haben. Das gestern begonnene Gerichtsverfahren könnte mit Schadensersatzforderungen in Höhe von hunderten Millionen Dollar enden.

Dem Kläger zufolge habe die News Corp.-Tochter NDS den Hacker Christopher Tarnovsky dafür bezahlt, dass dieser in das Netz von Dish eindringt und Sicherheits-Codes stiehlt. Diese sollen für die Produktion gefälschter Smart-Cards für Pay-TV-Angebote von Dish genutzt worden sein, mit denen später der Schwarzmarkt regelrecht überflutet wurde. 900 Millionen Dollar Schaden seien dadurch entstanden.

Die Klage wurde ursprünglich von EchoStar Communications eingereicht. Das Unternehmen hat sich inzwischen in die Firmen Dish und EchoStar Corp. aufgespalten, die aber beide weiterhin als Kläger am Verfahren beteiligt sind.

Tarnovsky bestätigte vor Gericht, Aufträge von NDS angenommen zu haben. Allerdings habe er die Entwickler des Unternehmens lediglich bei Reverse Engineering unterstützt - eine gängige Praxis, um die Funktionsweise proprietärer Software zu analysieren.

Die Bezahlung erfolgte allerdings auf recht eigenwillige Weise: Tarnovsky erhielt nach eigener Darstellung 20.000 Dollar in bar. Das Geld war in elektronischen Geräten versteckt, die ihm aus Kanada zugesandt wurden.

Zehn Jahre lang sei er aber auch auf regulärer Basis von Harper Collins, einer Verlagstochter der News Corp. bezahlt worden. Er arbeitete dabei unter anderem an einem Programm, mit dem die Sicherheit der Pay-TV-Angebote verbessert werden sollte.

"Ich habe nie Geld dafür erhalten, Echostar-Karten umzuprogrammieren", sagte Tarnovsky. "Jemand versucht mich hereinzulegen."

Der von den Dish-Anwälten als einer der weltweit fähigsten Hacker betitelte Tarnovsky räumte aber ein, ein Gerät namens "The Stinger" konstruiert zu haben. Dieses kann man für die Manipulation von Smartcards, wie sie zur Dekodierung von Pay-TV-Signalen eingesetzt werden, einsetzen.

Die Anhörungen in dem Prozess werden über die kommenden zwei bis drei Wochen weitergeführt. Mit der Befragung weiterer Zeugen, unter anderem aus der Hacker-Szene, will das Gericht dabei mehr Klarheit über die Vorgänge erlangen.

Quelle: WinFuture

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